Hermsdorf: Grüne Wärme für eine saubere Zukunft
Seit April 2008 erzeugt das Biomasseheizkraftwerk Hermsdorf umweltfreundlichen Strom und Grüne Wärme für die Holzlandstadt. Ein echtes Plus für die Region, die durch die angrenzende Autobahn einer hohen Emissionsbelastung ausgesetzt ist. Betreiber der Anlage ist die job
Jenaer Objektmanagement- und Betriebsgesellschaft mbH – eine gemeinsame Tochter der Stadt Hermsdorf und der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck. Die job hat das ehemals auf der Basis fossiler Brennstoffe betriebene Kraftwerk im Jahr 2003 übernommen und später zum umweltfreundlichen Biomasseheizkraftwerk umgebaut.
Was ist Grüne Wärme?
Grüne Wärme wird fast ausschließlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gewonnen. Rund 58 Tonnen Hackschnitzel aus naturbelassenem und getrocknetem Holz werden täglich im Biomasseheizkraftwerk – kurz BMHKW – verbrannt. Durch das umweltfreundliche Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung wird daraus gleichzeitig Strom und Grüne Wärme. Das Holz für den Verbrennungsprozess wächst dabei fast vor der Haustür – in den Wäldern Thüringens und Sachsen-Anhalts.
Warum Grüne Wärme?
Weil sie die Umwelt schützt:
Das Holz zur Energiegewinnung verbrennt bei 800 bis 1.000 °C kohlendioxidneutral (CO2-neutral). Anders als beim Einsatz fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Gas stößt das Biomasseheizkraftwerk nur soviel Kohlendioxid aus, wie die Bäume während ihres Wachstums im Wald aufgenommen haben. Pro Jahr spart die Anlage rund 18.000 Tonnen Kohlendioxid gegenüber dem vorherigen Hermsdorfer Kraftwerk ein und verbessert so wesentlich die Emissionsbilanz der Region.
Weil sie unabhängiger ist:
Grüne Wärme ist freier von „Ölpreis-Kapriolen“ als Wärme, die ausschließlich auf der Basis fossiler Energieträger erzeugt wird (Erdöl, Erdgas, Kohle). Letztere sind viel stärkeren, unkalkulierbareren Schwankungen unterworfen und vom Weltmarkt abhängig.
Das Biomasseheizkraftwerk Hermsdorf
- produziert bis zu 12 Tonnen Dampf pro Stunde
- hat eine thermische Leistung von rund 6,8 Megawatt und deckt so den Jahres-Wärmebedarf von rund 3.500 Haushalten ab
- erzeugt jährlich rund 16.000 Megawattstunden Strom und damit den Bedarf von etwa 6.700 Haushalten
- unterschreitet die gesetzlich vorgegebenen Feinstaub-Emissionswerte um 50 bis 75 Prozent
- verfeuert jährlich rund 21.000 Tonnen naturbelassene Holzhackschnitzel
- hat eine Grundfläche von rund 1.000 m2
- wurde von 2005 bis 2008 mit einer Investitionssumme von rund 11,6 Millionen Euro umgebaut
Das Funktionsprinzip
Das Biomasseheizkraftwerk in Hermsdorf erzeugt grünen Strom und Grüne Wärme, indem dort Biomasse verbrannt wird. Grundsätzlich wären dafür verschiedene Brennstoffe wie Altholz, Stroh oder Getreide möglich. Das Hermsdorfer Kraftwerk wird jedoch mit dem „Rohstoff Nummer 1“ aus dem Saale-Holzland-Kreis angefeuert: unbehandeltem Waldrestholz aus der Forstwirtschaft. Das Holz wird in einem Aufbereitungsbetrieb zu Hackschnitzeln verarbeitet, getrocknet und montags bis freitags mit jeweils bis zu fünf LKWs in das Brennstofflager des BMHKW gebracht. Von dort gelangt das Holz per Transportband zum Verbrennen in einen Kessel. Durch die Verbrennung der Hackschnitzel wird Dampf erzeugt, der dann in Strom und Fernwärme umgewandelt wird. Das Hermsdorfer Biomasseheizkraftwerk wurde wärmegeführt konzipiert. Die Fernwärmeversorgung steht immer im Vordergrund. Lediglich überschüssig produzierter Dampf wird zur Stromgewinnung eingesetzt. Da der Fernwärmebedarf im Sommer niedriger ist als im Winter, kann im Sommer mehr umweltfreundlicher Strom als im Winter hergestellt werden. Mit der Verbrennung der Holzhackschnitzel wird die Grundversorgung mit Fernwärme in Hermsdorf sichergestellt. Lediglich bei Außentemperaturen von unter -5 °C muss zusätzliche Wärme über Spitzenkessel auf Öl- oder Gasbasis erzeugt werden. Eine aufwändige Reinigungsanlage entstaubt die Abgase. Die beim Verbrennen der Hackschnitzel entstehende Rostasche soll zukünftig als Dünger verwertet werden:

