Zwischen Stromausfall und Unwetter: Eine Übung zeigt, was im Ernstfall zählt
02.07.2026, 11:09:50 | Stadtwerke Jena Gruppe | Aktuelles
Es ist kurz vor 8 Uhr, als sich der Raum füllt. Die Stimmung ist konzentriert und gleichzeitig neugierig. Die ersten Lageinformationen liegen auf dem Tisch und sie haben es in sich. Seit einigen Stunden ist ein großer Teil des Jenaer Nordens ohne Strom. Ampeln fallen aus, Haushalte bleiben dunkel, Betriebe stehen still. Gleichzeitig klettern die Temperaturen schon am frühen Morgen auf über 20 Grad und sollen im Tagesverlauf weiter steigen. Für den Nachmittag ist ein schweres Unwetter angekündigt.
Was nach einem realen Krisenbeginn klingt, ist am Morgen des 27. bzw. 28. Mai 2026 zum Glück nur eine Übung. Aber eine, die es in sich hat.
Ein Szenario, das unter die Haut geht
Die Ausgangslage ist komplex. Ein großflächiger Stromausfall kombiniert mit Hinweisen auf Sabotage. In den Tagen zuvor wurden ungewöhnliche Aktivitäten beobachtet: fremde Personen an Umspannwerken, Drohnenflüge, IT-Auffälligkeiten. Gleichzeitig warnen Behörden bundesweit vor Angriffen auf kritische Infrastrukturen. Schnell wird klar, dass es hier um mehr geht als eine technische Störung. Hier geht es um ein mögliches hybrides Bedrohungsszenario. Um auf einen solchen – durchaus realistischen – Ernstfall vorbereitet zu sein, trat der Krisenstab der Stadtwerke Jena Netze Ende Mai zur angeleiteten Krisenübung zusammen.
Systematisches Arbeiten unter Druck
Kaum gestartet, läuft die erste simulierte Lagebesprechung. In sogenannten Lagevorträgen bewerten die Krisenstabsvertreter die aktuelle Lage für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich. Informationen werden hierfür gesammelt, priorisiert und bewertet, um den weiteren Verlauf der Krise zu antizipieren. Die Übung ist bewusst so angelegt, dass der Fokus nicht auf der reinen aktuellen Lage liegt, sondern auf dem, was noch bevorsteht.
Ein Krisenstab lebt von den Menschen, die ihn bilden.
Dabei zeigt sich schnell, dass Krisenmanagement echte Teamarbeit ist. Unterschiedliche Perspektiven treffen aufeinander, unter anderem Technik, Kommunikation und Organisation sowie externe Partner wie Feuerwehr. Und doch entsteht im Laufe der Übung ein gemeinsames Lagebild. Trotz des anspruchsvollen Szenarios arbeiten die Mitglieder konzentriert, ruhig und lösungsorientiert zusammen. Entscheidungen werden diskutiert, aber zielgerichtet getroffen.
Ein funktionierendes Krisenmanagement entsteht nicht allein durch gute Einzelentscheidungen, sondern durch klare Strukturen, eingeübte Abläufe und gemeinsames Verständnis. Dieses weiter zu stärken und die Zusammenarbeit innerhalb der Krisenstabsmitglieder zu festigen, ist erklärtes Ziel der Übung gewesen.