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06.12.2018

Neue Wege gehen: Mieterstromprojekt am Wohn- und Pflegezentrum für Demenzerkrankte


Bringen gemeinsam erstes Mieterstromprojekt auf den Weg: Mario Hacke (job), Frank Albrecht (AWO), Thomas Dirkes (Stadtwerke Jena) und Tobias Wolfrum (jenawohnen, v.l.).

Gleich in mehrfacher Hinsicht neue Wege geht das Wohn- und Pflegezentrum für Demenzerkrankte in Lobeda-Ost. jenawohnen errichtet das Objekt im Auftrag des Regionalverbandes Mitte-West Thüringen e.V. Es entstehen rund 50 individuelle Wohnplätze für das selbstbestimmte Leben von an Demenz Erkrankten und deren Familien. Gemeinsam mit den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck setzen die Partner auch auf eine zukunftsweisende Energieversorgung: Das Dach soll zur Erzeugung von Sonnenstrom genutzt werden, welcher direkt von den Mietern verbraucht werden kann. Ein entsprechender Vertrag wurde jetzt unterzeichnet.

Demnach errichtet das Stadtwerke-Tochterunternehmen job auf dem Wohn- und Pflegezentrum eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 50 Kilowatt peak. Den dort erzeugten Sonnenstrom können Bewohner und Gewerbemieter über einen Mieterstromvertrag von den Stadtwerken beziehen – zu einem Preis, der etwa 10 Prozent unter den üblichen Tarifen liegt. Rund 47.500 Kilowattstunden Sonnenertrag pro Jahr werden erwartet – sollten die nicht ausreichen oder die Sonne an manchen Tagen nicht intensiv genug scheinen, erhalten die Mieter jenatur-Strom von den Stadtwerken. Die Teilnahme am Mieterstromprojekt ist für die Bewohner natürlich freiwillig.

Die AWO als künftiger Hauptmieter für das Objekt ist jedenfalls schon im Boot. „Die Idee hat uns schnell überzeugt“, begründet Vorstandsvorsitzender Frank Albrecht. „Verantwortungsvoll wirtschaften und ökologisch handeln – Mieterstrom vom eigenen Dach verbindet diese für uns wichtigen Aspekte.“ Auch jenawohnen als Hauseigentümer unterstützte die Idee. „Wir setzen hier für die an Demenz Erkrankten ein innovatives Wohnkonzept um. Eine innovative Stromversorgung für dieses Gebäude ist da eine gute Ergänzung“, so Geschäftsführer Tobias Wolfrum.

Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck sehen das Vorhaben als Pilotprojekt, beispielgebend für weitere Vorhaben in diesem Bereich. „Mieterstrom bringt die Energiewende auch zu den Mietern in die Stadt“, erläutert Geschäftsführer Thomas Dirkes. „Bisher profitierten vorrangig Eigenheimbesitzer von der Möglichkeit, ihr Dach mit einer Photovoltaikanlage zu bestücken und den dort erzeugten Sonnenstrom kostengünstig selbst zu nutzen. Nun steht dieser Weg auch Mietern offen.“ Nötig ist dafür ein Dreiklang von Eigentümer, Bewohnern und Stadtwerken. „Das Interesse seitens der Mieter ist groß, bei den Vermietern müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten jenawohnen geht da mit gutem Beispiel voran.“ Das Potenzial für solche Projekte sei in und um Jena durchaus gegeben, so Dirkes. Aktuell sei das Modell vorrangig für Mietshäuser ab 20 Mietparteien geeignet.

In dem Objekt am Salvador-Allende-Platz entstehen bis Herbst 2019 rund 50 Wohnplätze für an Demenz Erkrankten und ihre Familien, darunter 23 Ein- und Zwei-Raum-Appartements sowie zwei Senioren-Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Plätzen. „Wir möchten den Betroffenen je nach Schwere ihrer Erkrankung verschiedene Möglichkeiten zum selbstbestimmten Leben bieten“, erläutert der künftige Leiter der Einrichtung Frank Burkert. „Von stationären Pflegeheimen wollen wir uns bewusst abheben.“ So besteht z. B. die Möglichkeit, sich die Zimmer nach eigenen Vorstellungen einzurichten und auch gemeinsam mit Angehörigen einzuziehen. „Je nach Verlauf der Erkrankung können die Betroffenen selbst entscheiden, ob und ab wann sie pflegedienstliche oder medizinische Hilfen in Anspruch nehmen wollen.“ Ein begrünter Innenhof steht zur Nutzung zur Verfügung. Zudem ziehen eine Arztpraxis und der ambulante Pflegedienst der AWO mit in das Wohn- und Pflegezentrum. Ein öffentliches Café im Erdgeschoss ermöglicht Begegnungen mit der Nachbarschaft.