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04.09.2018

Sonnenstrom vom Dach selbst nutzen: Jetzt auch für Mieter


Ab sofort können auch Mieter in Jena und der Region von der Energiewende profitieren: Indem sie auf dem Dach ihres Wohnhauses erzeugten Sonnenstrom selbst nutzen und dadurch ihre Energiekosten senken. Möglich ist das mit dem neuen Angebot Mieterstrom der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck. Ein erstes Projekt setzen die Stadtwerke derzeit mit der Wohnungsgenossenschaft Hermsdorf/Thüringen eG um. „Das Potenzial für derartige Projekte ist aus unserer Sicht groß“, schätzt Stadtwerke-Vertriebsleiter Frank Müller ein. „Geeignet für Mieterstromprojekte sind Wohngebäude mit einer Größe ab circa 20 Mietparteien.“ Profitierten bisher nur Eigenheimbesitzer von der Möglichkeit, ihr Dach mit einer Photovoltaikanlage zu bestücken und den dort erzeugten Sonnenstrom kostengünstig selbst zu nutzen, steht dieser Weg nun auch Bewohnern von Mietwohnungen offen.

„Das Interesse seitens der Mieter ist sehr groß. Bei den Vermietern als Gebäudeeigentümer müssen wir oft noch Überzeugungsarbeit leisten“, räumt Müller ein. Denn das Mieterstrommodell braucht drei Partner: Die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck errichten auf dem Dach des Mietshauses eine Photovoltaikanlage und schließen anschließend mit den dort lebenden Mietern Verträge zur Nutzung des erzeugten Sonnenstroms. Da dafür keine öffentlichen Stromleitungen genutzt werden, entfallen mit Ausnahme der EEG-Umlage alle weiteren Abgaben und Netznutzungsgebühren. „Dadurch lassen sich die Investitionen für die Anlagen decken und den Mietern obendrein ein interessantes Stromangebot machen, das sogar gesetzlich geregelt ist. Mindestens 10 Prozent unter den Tarifen der Grundversorgung muss der Strompreis liegen. Und das für die nächsten 20 Jahre “, erläutert Frank Müller. Scheint die Sonne nicht  oder deckt der erzeugte Ökostrom den Bedarf nicht, stellen die Stadtwerke Strom aus dem öffentlichen Netz bereit. Um alles weitere kümmern sich allein die Stadtwerke. „Die Mieter sparen, der Eigentümer wertet seine Immobilie auf und bietet Wohnungsinteressenten einen attraktiven Zusatznutzen – eine runde Sache“, so Müller.

Diese Gründe haben auch die Wohnungsgenossenschaft Hermsdorf/Thüringen eG überzeugt. Im August wurde der Vertrag für das erste Mieterstromprojekt der Stadtwerke Energie unterzeichnet. Als Pilotobjekt dient das ehemalige Jugendwohnheim in der Erich-Weinert-Straße in Hermsdorf. Es wird gerade kernsaniert und ermöglicht ab 2019 barrierefreies Wohnen für Senioren. Auf dem Flachdach des Gebäudes installieren die Stadtwerke Energie eine Solarstromanlage mit einer Leistung von 50 kWp. Sie soll jährlich rund 47.500 Kilowattstunden Sonnenstrom für die 70 Mieter produzieren. Die Liste der Mietinteressenten für das Objekt ist lang  -  auch wegen der attraktiven Möglichkeit, kostengünstigen und umweltfreundlich erzeugten Strom zu nutzen.

„Bei Neubauten oder einer Kernsanierung wie in Hermsdorf lohnt es sich in jedem Fall, die Option Mieterstrom zu prüfen“, sagt Frank Müller. Hier stehen die Stadtwerke Energie Bauherren gern beratend zur Seite. In den Verhandlungen mit der WG Hermsdorf/Thüringen waren sich beide Seiten recht schnell einig, berichtet Steffen Preiß. „Wenn es um die Umwelt geht, sind wir alle in der Pflicht“, begründet der technische Vorstand der WG Hermsdorf/Thüringen das Engagement. „Und was uns zusätzlich überzeugt hat: In diesem Falle profitiert nicht nur das Klima sondern auch unsere Mieter.“

Nach dem Start in Hermsdorf, möchten die Stadtwerke Energie weitere Projekte in Jena und der Region umsetzen. Grundlage für das Engagement ist das Mieterstromgesetz. Es zielt darauf ab, die Energiewende in die Städte zu tragen. Das Potenzial für Mieterstrom ist in Thüringen groß. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz geht von 11.000 Wohngebäuden aus, die sich für dieses Modell eignen.