Von der Idee zur Lösung: Crossen gestaltet Telemedizin selbst
Apr 30, 2026, 10:37:33 AM | Stadtwerke Jena Gruppe | Aktuelles, Pressemitteilungen | jenergie
Nach der Informationsveranstaltung im Januar ist Crossen an der Elster den nächsten Schritt in Richtung eines eigenen Telemedizinraums gegangen: Beim Bürgerdialog im Klubhaus stand am Mittwoch, 29. April, die aktive Mitgestaltung des geplanten Angebots im Mittelpunkt. Rund 30 Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Akteure – darunter Bürgermeister Herbert Zimmermann, lokale Hausärzte und die ansässige Apotheke – folgten der Einladung von Stadtwerke-Tochter jENERGIE, dem Smart City Team der Stadt Jena und der Gemeinde. Der Fokus lag bewusst auf der Altersgruppe 60+, die später zu den Hauptnutzern zählen wird.
Vom Zuhören zum Mitmachen
Nach einem kurzen Impuls ging es direkt in die Praxis: Im World-Café-Format arbeiteten die Teilnehmenden daran, Bedarfe, Hürden und Lösungen des Telemedizinraums aus Sicht der Bürger in Crossen zusammenzutragen. Besonders prägend war dabei die Mischung aus Bürgern und Fachpartnern: An jedem Thementisch kamen beide Seiten direkt ins Gespräch – begleitet von Experten aus Medizin, Versorgung und Projektumfeld, unter anderem von zollsoft, dem Universitätsklinikum Jena und der AWO.
Mandy Steinbrück, Projektleiterin bei jENERGIE: „Wir bringen in Sachen Telemedizin zwar zahlreiche Erfahrungen aus dem Smarten Quartier Jena-Lobeda mit – die konkrete Ausgestaltung für Crossen entsteht aber hier. Entscheidend ist, dass wir die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen und daraus Lösungen entwickeln, die im Alltag wirklich funktionieren. Deshalb war es uns wichtig, die Bürger frühzeitig einzubeziehen.“
Verschiedene Themen – ein gemeinsames Ziel
Im Austausch grenzten die Teilnehmenden ein, wer die Telemedizin in Crossen künftig nutzen wird und in welchen konkreten Situationen das Angebot helfen kann. Ebenso erarbeiteten sie, wie der Telemedizinraum im Klubhaus konkret funktionieren soll – von der Ausstattung bis zur Einbindung lokaler Partner. Auch zum Betrieb formulierten die Teilnehmenden klare Anforderungen: Sie erwarten verlässliche Zeiten, einfache Abläufe und eine persönliche Begleitung vor Ort. Gleichzeitig betonten sie, wie wichtig es ist, das Angebot im Ort zu verankern, bestehende Akteure einzubinden und Vertrauen aufzubauen – besonders bei älteren Menschen. Ein zentrales Ergebnis: Telemedizin wird vor allem dann angenommen, wenn sie einfach, begleitet und vertrauenswürdig gestaltet ist.
Auch wenn die Erfahrungen aus dem Smarten Quartier Jena-Lobeda eine wichtige Grundlage bilden, zeigte sich im Dialog klar: Die Übertragung ins Umland funktioniert nur, wenn die lokalen Gegebenheiten mitgedacht werden. Neben der technischen Ausstattung braucht es vor allem unterstützendes Personal und verlässliche Ansprechpartner, damit das Angebot vor Ort angenommen wird.
Versorgung gemeinsam weiterdenken
Der Bürgerdialog knüpft an eine konkrete Herausforderung in Crossen an: Seit dem Ruhestand der langjährigen Hausärztin vor zwei Jahren besteht vor Ort eine Lücke in der medizinischen Versorgung. Viele Patienten müssen seitdem längere Wege für einen Arztbesuch in Kauf nehmen. Der Telemedizinraum soll hier künftig eine Ergänzung bieten.
Der Dialog hat gezeigt: Aus anfänglicher Skepsis gegenüber digitalen Arztsprechstunden wächst in Crossen zunehmend Offenheit – und die Bereitschaft, das neue Angebot aktiv mitzugestalten. Die Ergebnisse des Bürgerdialogs werden nun ausgewertet und fließen in die weitere Planung ein. Im Herbst 2026 soll der erste Patient aus Crossen im Telemedizinraum behandelt werden.