Der Traum vom Fliegen
Jul 4, 2019, 12:10:26 PM | Stadtwerke Jena Gruppe | Blog
Am 17. Dezember 1903 ging ein Menschheitstraum in Erfüllung: Zwölf Sekunden dauerte der erste Motorflug der Gebrüder Wright, ihr mit Stoff bespannter Doppeldecker flog 35 Meter weit. Es war der Startschuss für Luftabenteuer, technische Sensationen und den Bau großer und kleiner Landeplätze. Einer davon: der eher kleine Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina. Dessen bewegte Geschichte begann in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts und hält über verschiedene Etappen bis heute an. Ulf Wackernagel, ambitionierter Flugplatz-Fan und -Chronist, gab uns Einblick in die Historie des Jenaer Flugsports.
Er berichtet, dass in den 1930er Jahren auf dem Hanggelände oberhalb von Schlöben die ersten Segelflieger starteten. Untergebracht waren diese damals im Dorf, bis am Standort Schöngleina bereits 1941 der erste Flugplatz eingerichtet wurde – bestehend aus zwei Hallen und zwei befestigten Landebahnen. Bis 1945 wurde der Flugplatz auch für militärische Zwecke genutzt. Kurz vor Kriegsende, im April 1945, zerstörten Amerikaner das gesamte Flugplatzgelände; beide Flugzeughallen brannten bei einem Feuer ab. In den ersten Jahren nach Ende des Krieges starteten die Flieger aufgrund der Gebietsreform auf anderen Geländen (Drackendorf und Rödigen), bis schließlich in Schöngleina eine neue Halle errichtet wurde. Am 16. Juli 1959 erfolgte dann der erste Start nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vom Flugplatz in Schöngleina. Dieses Datum, an dem der Flugplatz seine offizielle Betriebsgenehmigung erhielt, ist der Anlass für das 60-jährige Jubiläum, das am 24. und 25. August dieses Jahres auf dem Gelände mit Freunden, Fans, Wegbegleitern und Gästen gefeiert wird.
Doch zurück zur Geschichte: Anfang der 1970er Jahre fand ein weiterer Ausbau statt, bei dem der Turm, ein Speisesaal – die heutige Gaststätte – sowie Schulungs- sowie Unterkunftsräume entstanden. Dieser Ausbau wurde am 24. September 1978 mit einer Flugschau offiziell eingeweiht. Nach der Wende erhielt der Flugplatz im Jahr 1992 nach bundesdeutschem Recht die Zulassung als Verkehrslandeplatz. In den nachfolgenden Jahren wurde der Platz mit weiteren Flugzeughallen ausgebaut und mit einer neuen Asphaltlandebahn versehen. Besonders hervorzuheben ist noch der Bau der neuen Luftrettungsstation im Jahr 2005, die seitdem an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr mit einem ADAC-Hubschrauber einsatzbereit ist.
Ulf Wackernagel, 49, begeisterte sich schon als Kind für den Flugplatz in Schöngleina. Besonders das polnische Schleppflugzeug „WILGA“ hatte es ihm angetan. Einen Flugschein hat er nie gemacht, aber seine Liebe zum Flugplatz ist geblieben. Bis heute arbeitet er in der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der Geschichte des Flugplatzes mit. Zum 60-jährigen Jubiläum des Flugplatzes erscheint eine von der Arbeitsgruppe neu verfasste Chronik.