Vom Modellprojekt zur Praxis: Telemedizin kommt im Crossen an
Jan 23, 2026, 12:57:03 PM | Stadtwerke Jena Gruppe | Aktuelles | Smartes Quartier
Die Erfahrungen aus dem Smarten Quartier Jena-Lobeda kommen jetzt im ländlichen Raum an: In dieser Woche wurde in Crossen an der Elster spürbar, wie aus einem Modellprojekt konkrete medizinische Versorgung vor Ort werden kann. Rund 70 Einwohner folgten der Einladung von jENERGIE und der Gemeinde Crossen zur Informationsveranstaltung zum dort geplanten Telemedizinraum.
Im Klubhaus Crossen informierten Bürgermeister Herbert Zimmermann, Hausarzt Dr. Benjamin Horvath, Mandy Steinbrück von der jENERGIE und Olivia Busch vom Smart-City-Team der Stadt Jena über das Vorhaben. Auffällig: Gekommen waren ausschließlich Menschen über 60 Jahre – und damit genau die Zielgruppe, für die das Angebot gedacht ist. Zugleich ein wichtiger Hinweis für die nächsten Schritte in der Ansprache und Kommunikation.
Viele Fragen, ehrliches Interesse
Hintergrund des großen Interesses ist auch die aktuelle Versorgungslage vor Ort: Die langjährige Hausärztin der Gemeinde ging vor fast zwei Jahren in den Ruhestand – seitdem gibt es eine spürbare Lücke in der ärztlichen Betreuung.
Nach einer kompakten Einführung zum Thema Telemedizin ging es bei Kaffee und Kuchen in den direkten Austausch. Ein bewusst gewähltes Format, das gut ankam und Raum für lockere Gespräche, Nachfragen und persönliche Einschätzungen bot.
Dabei standen vor allem praktische Fragen im Raum: Wird man während der Behandlung begleitet? Kann das telemedizinische Angebot auch genutzt werden, wenn Dr. Horvath nicht der eigene Hausarzt ist? Wie lange dauert eine Behandlung – und wie kommt man überhaupt an einen Termin?
Die Antworten orientierten sich an den erprobten Abläufen aus dem Modellprojekt in Jena-Lobeda, wo Telemedizin niedrigschwellig und begleitet angeboten wird. Das sorgte für eine konstruktive Offenheit – auch wenn die Rückmeldungen gemischt waren. Einige zeigten sich sofort überzeugt vom Angebot der Telemedizin, andere blieben skeptisch. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig: Es ist richtig und wichtig, sich gerade jetzt aktiv Gedanken über die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu machen.
Vom Modell zur Praxis
Der Telemedizinraum in Crossen ist kein Experiment auf der grünen Wiese. Er basiert auf einem klaren Anforderungskatalog, der im Smarten Quartier Jena-Lobeda entwickelt und erprobt wurde. In den kommenden Wochen wird der Raum im Klubhaus entsprechend ausgestattet. Technik und Möblierung werden zu 90 Prozent über Fördermittel aus dem Smart-City-Projekt finanziert, den verbleibenden Anteil tragen die Stadt Jena, jENERGIE und Gemeinde gemeinsam.
Noch im Sommer 2026 soll der erste Patient aus Crossen im Telemedizinraum behandelt werden. Parallel dazu sollen die umliegenden Hausärzte eingebunden werden, damit auch sie ihre Patienten aus Crossen digital betreuen können.